Katzenschnupfen
Wie Ihr ja sicherlich wisst, habe ich Sherry am 17.08.2010 bei uns auf der Straße unter einem Auto gefunden. Natürlich war da die Untersuchung beim TA fällig und alles schien soweit in Ordnung. Bis auf die Mangelerscheinungen, was ihm schon ein paar extra Besuche beim Doc einbrachte.
Nun ja, er war dann bald soweit das es hieß: er kann geimpft werden. Das passierte dann auch am 02.09.2010. Ehrlich gesagt, wenn ich das alles gewusst hätte, was da auf uns zukam, ich hätte es gelassen *seufz*
Jedenfalls bekam Sherry durch die Impfe den schlimmsten Katzenschnupfen. Freitags war Impftag und Montag Morgen war ich mit ihm als Notfallpatient bei unserer Ärztin. Baci hatte ich vom Büro aus zu mir nach Hause geschickt, sie solle mal nach ihm sehen. Mein Gefühl meldete sich und befürchtete das Schlimmste. Jedenfalls kam der Anruf: der MUSS SOFORT zum Doc !!! Also los und den armen, kleinen Kerl einepackt und auf zum Doc. Die TÄ war auch vollkommen geschockt und es ging ein Behandlungsmartyrium los – ohne gleichen. Ich gönne es meinem größten Feind nicht, wenn man mit ansehen muss, wie so ein Fellball zusehends zerfällt. Mein Gefühlschaos war einfach unbeschreiblich. Teilweise dachte ich, ich finde ihn tot zu Hause, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme.
Jedenfalls er bekam Interferon, wurde an den Tropf gehangen, Antibiotika, Nasenspray, Aufbaumittel und und und… Er musste fressen und er tat es nicht *seufz* Man kann sich sicherlich vorstellen, wie ich mich gefühlt habe. Ich habe mich quer durchs Netz gelesen und sämtliche Tipps und Ratschläge versucht umzusetzen.
Es wurde nicht besser. Nachdem die Interferonkur beendet war und die Ärztin quasi am Ende mit ihrem Möglichkeiten war, bekam Sherry zu allem Übel abends noch einen Kreislaufkollaps. Da lag der kleine Kerl in meiner Hand und krampfte was das Zeug hielt. Der mittägliche Tropf war wohl zu viel für ihn und der kleine Körper wollte nicht mehr. Jedenfalls habe ich ihn mit einer Spritze mit Traubenzucker wieder holen können. Dann wurde er warm eingepackt und ab ging es vor die Heizung in der Transportbox. Wie heißt es so schön? Hopp oder Top!! Genau so dachte ich auch – denn kaputt machen konnte ich an Sherry nichts mehr.
Also habe ich ihm das gegeben, was ich meinte, was richtig für ihn war. Viel Ruhe, Wärme, homöopathische Mittel, Inhalation, Zwangsfütterung mit Katzenkindermilch und später einfacher Kindergriesbrei und Hipp.
Das Programm startete morgens um 05.00h und endete so abends gegen 21.00 Uhr. Es gab anfänglich halbstündlich, dann stündlich, dann 2stündlich usw. Flüssigkeit, Medis und Nahrung. Er wurde in ein Handtuch eingewickelt und dann kam er auf dem Arm wie ein Baby. Man sollte ja nicht glauben das der Kerl seinen Kampfwillen aufgegeben hat. Denn so schlecht es ihm auch ging, so kratzbürstig war er auch. Unsere Tierärtzin sollte das später noch zu spüren bekommen. Aber genau dieser Lebenswille hat es ausgemacht. Er wollte nicht aufgeben und ich ließ ihn nicht.
Sherry war ein Häufchen Elend. Wirklich erschreckend. Er nahm zusehends ab, das Fell am Hals wurde – durch das feste einwickeln im Handtuch – auch immer weniger.
Am 16.09.2010 war eine Untersuchung fällig. Sherry hatte morgens 20 ml Flüssigkeit zu sich genommen. Baci ist für mich zum Doc gefahren. Der Arme wog nur noch 890 Gramm – gerade so viel wog er, als ich ihn gefunden habe. Die Ärztin war aber verblüfft das er so viel getrunken hatte morgens. Sie wollte ihn erlösen. Nur zum Glück hat sie seinen Kampfgeist erkannt. Die Calici-Viren hatten seine ganze Zunge zerfressen. Aber als sie ihm ins Mäulchen kucken wollte, was macht er? Er beißt sie in den Daumen !!! Jedenfalls hat sie erkannt das er Leben will und sie hat ihn gelassen. Er durfte mit Baci wieder nach Hause und ich machte weiter mit dem Programm. Sie gab uns noch Katzenaufbaunahrung, Milch und eine Flasche mit. Ich hatte also mein Flaschenkatzenkind.
Aber ab da ging es bergauf. Die Mengen die Sherry trank wurden mehr. Wenn er auch nicht immer wollte, aber mit viel Geduld ein bisschen leiser Zwang, ging es. Es hieß: die Kleinen fangen von jetzt auf gleich wieder von selbst an zu fressen und dann sind sie über dem Berg!!! Man kann gar nicht glauben, wie die Tage sich hinziehen, wenn man darauf wartet. Aber am 22.09. war es so weit. Mittags – wirklich von jetzt auf gleich – schlabberte Sherry seinen Grießbrei alleine vom Teller.
Dann war der Bann gebrochen. Es ging zusehends bergauf, er nahm zu. Ich habe ihn täglich gewogen, habe ein Fütterungstagebuch geführt. Und wenn ich mir das heute ansehe, was er am Anfang genommen hat und dann zum Schluss – Wahnsinn. Wer Interesse hat, dem kann ich gerne genaueres erzählen. Nur würde das hier den Rahmen sprengen.
Jedenfalls führt Sherry jetzt ein tolles Katzenleben. Ein wenig niest er noch und sein rechtes Auge tränt ab und an. Das ist alles was zurück geblieben ist. Die angegriffenen Lungenbläschen sind alle wieder gesund geworden und er ist halt topfit wie es sich für einen Kater gehört.
Hier ein erstes Foto nachdem klar war das er überlebt. Denn während der schlimmen Phase habe ich keinerlei Fotos von Sherry gemacht:

Und so sieht er heute aus:


Die anderen haben sich während der schlimmen Zeit um Sherry ebenfalls vorbildlich gekümmert. Raki war der große Bruder, genau wie Baileys und Malibu. Sie saßen des morgens schon vor der Transportbox. Und wie schön das ist zu hören, wenn so ein krankes Etwas mauend da raus will, ist einfach unbeschreiblich.
Witziger Weise lassen sie heute immer noch Sherry den Vortritt, wenn es um das Fressen geht. Egal ob bei Sticks oder anderen Leckereien, der Kleine darf immer zuerst und sie lassen ihm das liegen. Es ist wie bei den verwöhnten Nesthäckchen bei den Zweibeinern.
Auch wenn die Zeit mehr als anstrengend für alle war – wir sind froh gekämpft zu haben und Sherry weiter gesund und munter bei uns ist.
LG
wodka





